Sonntag, 19. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 7] Tanz der Ikonen von B.D. Winter


Teammeeting
mit Alexander Merahwi, Julian Melnik, Jan Kaminski, Dragon Radic, Bernd Novak, Stella Fuchs und Phil Miller

Gerade erst am Montag war ich an derselben Stelle und drückte ebenfalls auf den Klingelknopf. Heute bin ich wieder hier, auf persönliche Einladung von Herrn Merahwi, ich solle mir einmal seine Art der Arbeit  ansehen und seinem Team über die Schulter blicken. Bei einer solchen Möglichkeit konnte ich  nicht nein sagen. Gleich nach dem Summer betrete ich wieder das Vorzimmer. Diesmal muss ich mich gar nicht anmelden, denn Julian sitzt ebenfalls am Empfang.
"Heute sind wir im Konferenzraum, da ist nämlich mehr Platz als im Büro vom Hai."
Am Besprechungstisch in Merahwis Büro standen zwar auch sechs Stühle, aber der im Konferenzzimmer ist um einiges größer. Hier passen zwölf Personen bequem hin, obwohl wir nur zu acht sind, das Team ist bereits vollständig versammelt. Merahwi begrüßt mich und nimmt an der Stirnseite Platz. Ich will mich an die andere Schmalseite setzen, aber Julian schiebt seine Unterlagen zusammen und klopft auf den Platz neben sich.
"Hier ist es besser, wegen dem Beamer."
Merahwi stellt erst mich und dann reihum alle anderen vor, mit der Tätigkeit, die sie innehaben. Langsam dämmert mir, warum Julian am Montag von einem Spionage-Roman gesprochen hat.
Ich staune nicht schlecht, wie gut Alexander Merahwi seine streitenden und wissbegierigen Schäfchen im Griff hat. Als jeder seine Aufgabe erhalten hat, bitte ich doch noch die eine oder andere Frage stellen zu dürfen.

Ich bin sprachlos, wie gut Sie aufeinander eingespielt sind. Doch kommt mir nach diesem Meeting doch immer mehr der Gedanke an James Bond. Sind Sie schon mal in gefährliche, ausweglose Situationen geraten?
Prompt kichert Jan Kaminski drauf los. "Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie ich mich zu Übungszwecken in den Server der NSA gehackt habe? Und auf einmal sämtliche Alarmsignale losgegangen sind?  Ich hab mir die Finger wund gehämmert, um meine Spuren zu verwischen!"
"Oh ja, und wir holten Stella aus ihrer Karatestunde!" Phil hält sich den Bauch vor Lachen. "Da hat sogar Dana die Nerven geschmissen, weil sie dich nicht erreichen konnte."
Dragan bläst seinen überlangen Pony zur Seite und starrt an mir und Julian vorbei Jan an, als hätte der gerade den Oscar gewonnen. "Du warst echt im Server von der NSA?"
Stella hingegen macht auf cool: "Und während ihr Muffensausen kriegt und ich mit hängender Zunge im Büro ankomme, führt der Chef die Amis seelenruhig durchs obere Stockwerk und lässt sie die Computer auseinander nehmen."
"Selbstverständlich erst nachdem Herr Kaminski die heiklen Server abgetrennt hat. Genau für solche Situationen haben wir einen mit unproblematischen Daten in diesem Stockwerk stehen", erläutert Merahwi.
"Und während die Amis auf Stasi machen, hält er ihnen eine Vorlesung über Datenschutzgesetze, als ob die Daten auf diesem Server nicht ohnehin alle gefaket wären."
"Wir können nicht zulassen, dass Daten unserer Klienten in fremde Hände fallen. Schon gar nicht in die eines Geheimdienstes."
Julians Augen glänzen ehrfürchtig. "Wie habt ihr es geschafft, dass sie das untere Stockwerk nicht entdecken?"
"Ganz einfach." Bernd Novak spricht nicht viel, aber wenn er den Mund aufmacht, tut er das mit dem Selbstbewusstsein des Wirtschaftsuni-Absolventen. "Das läuft offiziell auf ein anderes Unternehmen. Da habe ich drei Strohfirmen dazwischengeschaltet."

Wie weit würden Sie alle gehen, um ein Kunstwerk zu finden, was scheinbar verloren scheint?
"Sollen wir das jetzt wirklich sagen?" Jan sieht zweifelnd zu Merahwi. Als der zustimmend nickt, erklärt er jedoch freimütig: "Das Hacken ist der lustigste Teil an dem Job. Es macht tierisch Spaß, die Oberschlaumeier auszutricksen, die ihre Systeme für ach so sicher halten."
"Stimmt", brummt es links von mir, ausnahmsweise mal ohne multimediale Aufbereitung. "Wenn die Datenschützer spitz kriegen, wo ich überall Bildmaterial herhole, kriegen sie nicht einen Herzinfarkt, sondern zehn."
"Die Devise heißt, nicht erwischen lassen", bestätigt auch Phil. Hätte ich nicht bereits das Buch gelesen, hätte ich keinen blassen Schimmer, welche Gesetze er bricht, so unschuldig schaut er mich mit seinem Dackelblick an. Bernd nickt gewichtig und fährt dabei unbewusst mit dem Kugelschreiber die Zahlenkolonnen entlang, die sein Handout ausfüllen.
"Ich bin zu allem bereit, außer einem Mord. Obwohl es mich bei machen Typen schon in den Fingern juckt."
"Bei manchen? Sag uns lieber, bei wem nicht, Stella."
"Klappe, Einstein!"
"Das würde dir so passen."
"Ihr Schreibtischhelden könnt auch nur blöd reden!"
"Ist die immer so?", will ich von Julian wissen.
"Fast immer. Gefreite Fuchs, Direktimport aus dem Dschungelcamp", flüstert er zurück.
"Was gibt es jetzt wieder zu meckern, Doc?"
"Gar nichts." Merahwi gibt mir ein Zeichen. "Ihre nächste Frage, bitte."
Oh je, die ist doch erst recht Sprengstoff! Ich druckse ein wenig herum, dann stelle ich sie doch:

Würden Sie, wenn es dem Auftrag zuträglich ist, jemanden aus der Gruppe oder den Auftraggeber opfern, um ans Ziel zu kommen?
"Nein", kommt es wie aus der Pistole geschossen.
"Nein???" Alle Jungs mit Ausnahme von Merahwi sehen Stella an, als wäre sie ein Alien.
"Glaubt ihr, ich lass euch Schlappschwänze hängen?"
"Niemand wird aufgegeben", erklärt auch Merahwi. "Kein Auftrag kann wichtiger sein als jeder Einzelne in diesem Team."
"Wir sind eine total liebevolle Familie. Schräg, aber liebevoll, nicht wahr, Herzchen?" Jan grinst Stella an, und die wirft ihm einen Blick zu, der mich eher an Brudermord denken lässt als an eine Kuschelgang.

Lieben Sie alle Kunst oder eher die Aufregung hier immer scheinbar Aktion zu haben?
"Kunst ist was für unseren Picasso." Stella gibt Phil einen Ellbogencheck. "Und für den Hai. Sorry, Chef." Merahwi winkt beruhigend ab, anscheinend kann er mit seinem Spitznamen gut leben. "Ich bin wegen der Action dabei. Ein Schreibtischjob wäre nichts für mich."
"Worauf wir nie im Leben gekommen wären, Herzchen."
"Ich könnte auf die Action gut verzichten", gesteht Julian. "Mir ist die in Spionagethrillern lieber."
"Deswegen hängst du auch in Bibliotheken rum, Doc, und ich kümmere mich ums Grobe."
Ich frage Stella jetzt lieber nicht, was das Grobe ist, bevor ich auch noch in ihre Schusslinie gerate.

Wie schmutzig könnte Ihr aktueller Fall werden? Gibt es schon Tendenzen?
"Je sauberer sie aussehen, desto schmutziger sind sie meistens", meldet sich Bernd zu Wort. Diese Aussage hätte ich eher von Stella als vom Finanzexperten erwartet, aber schon schlägt sie in dieselbe Kerbe:
"Richtig dreckig sind die, die eine Krawatte tragen. Die haben keine Skrupel."
Julian kritzelt gedankenverloren Haie auf seinen Block, er ist sich wahrscheinlich nicht einmal bewusst, dass auch er einen Schlips um den Hals hat. Bernd übrigens auch. Was sagt das jetzt über das Team aus?
Merahwi hat meinen nachdenklichen Blick bemerkt und schmunzelt mich hintergründig an. "Im Endeffekt will jeder gewinnen. Wie schmutzig es wird, lesen Sie nächstes Jahr."
"Sie haben unterschrieben?" Julian hält es nicht mehr auf dem Stuhl. "Der Vertrag mit B.D. Winter ist ausverhandelt, wir bekommen ein zweites Buch?"
"So ist es, Julian. An die Arbeit, Herrschaften. Wir haben einen Fall zu lösen."


Samstag, 18. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 6] Tanz der Ikonen von B.D. Drucker



Was wäre denn das Bloggerleben, ohne Bücher, Textschnipsel und Rezensionen?

Genau, nur der halbe Spaß, deswegen dürft ihr heute noch einen meiner Lieblingsschnipsel lesen und euch natürlich auch in meine Rezension vertiefen. ;)


Rezension:



Das Buch "Tanz der Ikonen" wurde von B. D. Winter verfasst und erschien 2017 bei Aventiure.

Tolya Grigorowitsch Yudin beauftragt die Firma von Alexander Merahwi mit einem brisanten Fall, denn eine Ikone, die er nach Wien mitgenommen hat, ist in die falschen Hände gewandert. Der junge Angestellte in der Firma Julian Melnik wird in das Team aufgenommen und die rasante Suche nach der Ikone beginnt.

Der Autorin, von der ich bereits zwei andere Bücher, welche sie unter anderem Namen veröffentlicht hat, gelesen habe, konnte mich mit diesem Buch überraschen. Nicht nur, dass es in der Gegenwart spielt. Auch die Tatsache, dass sie sich in ein völlig neues Genre traut, in die Gay-Romance. Man kann das Buch beschreiben mit einem Thrilleranteil von 60% und eine Liebesgeschichte von 40%.

Die Hauptprotagonisten konnten mich sofort abholen und ich konnte sie auf ihren Weg durch Wien begleiten. Man kann mit ihnen mitfiebern, mit ihnen lachen, mit ihnen fürchten, mit ihnen abenteuerliche Situationen meistern und natürlich auch bei so mancher Verwirrung des Herzens dabei sein.
Julian Melnik, der junge Doktorant, welcher Literatur liebt und in der Firma von Merahwi und Martin schlagartig in der Hierarchie aufsteigt. Er ist jung, kämpferisch und er steht für seine Werte ein, die er allerdings hart umkämpfen muss, denn Homosexualität ist in diesem Betrieb nicht gerne gesehen.
Alexander Merahwi, der Verhandlungsstratege und Verfechter der Ansicht, dass das Privatleben im Betrieb nichts zu suchen hat. Er ist sehr strikt, liebt die Kunst und wird von Kapitel zu Kapitel mehr zu einem sehr sympatischem Charakter.
Der Sprachstil und die Wortwahl sind sehr passend und sehr gut und flüssig zu lesen. Man fliegt förmlich durch die Zeilen und muss aufpassen, dass man die Nacht nicht zum Tag macht. Die Actionstellen sind in einem Tempo geschrieben, wo man selbst außer Atem kommt, sich Gedanken macht, was als nächstes passieren könnte und wie man aus diesen Situationen wieder rauskommen kann. Auch die homoerotischen Liebesszenen sind sehr gut in das Geschehen eingebaut, sodass sie wirklich als harmonisches Ganzes gesehen werden können. Ohne diese Kämpfe um die wahre Liebe und das Recht diese Liebe auszuleben wäre das Buch, nicht das, was es jetzt ist, eine tolle Gesamtkomposition.

Jeder, der gerne einmal das Genre Gay-Romance-Thriller ausprobieren möchte, ist mit dem Werk von B. D. Winter sehr gut beraten, denn es ist alles enthalten. Liebe, Hass, Eifersucht, Furcht, Kämpfe, Verfolgungsjagden und ganz viel Spannung. Ich persönlich freue mich schon auf den nächsten Band.

Freitag, 17. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 5] Tanz der Ikonen von B.D. Winter


Einen wundervollen Guten Morgen an diesem Freitag. Freitag? Die Zeit vergeht viel zu schnell, aber lasst uns diesen Tag noch so richtig genießen!

Aber zunächst zu der Frage, welche mir Alexander Merahwi gestellt hat:
"Würdest du als Vorgesetzter Affären am Arbeitsplatz tolerieren?"

Puh, schwere Frage, Herr Merahwi. Es ist immer schwierig, nach dem Motto, wo die Liebe hinfällt. Aber es bringt natürlich immer auch Ärger mit sich, wenn man sich auf eine Affäre am Arbeitsplatz einlässt, bzw. Affären am Arbeitsplatz toleriert. Sicher, es kann auch viel positives entstehen, eine Dynamik, die man vielleicht auch für die Firma ummünzen kann. Problem wird es werden, wenn die Affäre für den einen mehr ist, als für den anderen, diesen Zickenkrieg sollte man auf jeden Fall verhindern.

Wie steht ihr zu dem Thema? Wart ihr schon einmal in einer solchen Situation oder wart der unbeteiligte Beobachter einer solchen Situation?
Tobt euch aus, nehmt euch einen Kaffee und genießt den Tag! 










+


Donnerstag, 16. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 4] Tanz der Ikonen von B.D. Winter


Heute möchte ich euch einen ganz besonderen Themenbeitrag präsentieren, nämlich Ikonen, Ikonen, Ikonen

Ikonen sind schon etwas ganz besonderes und vor allem gibt es so viele verschiedenen, aber lest selbst, dass es nicht nur die sakralen Ikonen gibt, sondern die auch eine gänzlich andere Interpretation zulassen.

Wollt ihr mir auch verraten, ob du Ikonen in deinem Leben hast, sei es als Mensch oder als Kunstobjekt?








Mittwoch, 15. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 3] Tanz der Ikonen von B.D. Winter

Heute darf ich mit Julian den Tag beschließen und was soll ich sagen, die Frage, die er mir stellt ist:


Tja, lieber Julian, ich bin da ganz von der alten Schule, ich bin eher für ewige Treue, wobei, wenn die Situation zwischen den Partnern nicht mehr passt, ich durch aus auch umschwenken würde zu guten Sex. ;)

Also, es ist doch wie immer im Leben so, zu Beginn hat man das ultimative Kombipaket und irgendwann kommt die Ernüchterung und man kommt am Boden der Realität an. An diesem Punkt muss man sich entscheiden. Zählt noch immer die ewige Treue oder sucht man anderweitig nach gutem Sex?

Tja, wie seht ihr das? Habt ihr das ultimative Kombipaket oder musstet ihr euch schon einmal entscheiden zwischen Treue oder guten Sex?

Julian und ich sind schon auf eure Antworten gespannt. ;)


Dienstag, 14. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 2] Tanz der Ikonen von B.D. Winter





Heute bin ich mit meiner Lieblingsstelle aus dem Buch "Tanz der Ikonen" von B.D. Winter an der Reihe.

Ich habe mir ein ganz besonderes Zitat herausgesucht, denn egal, wann ich nach Wien komme, der Heldenplatz und sein Reiterstandbild ist immer dabei!
Denn es gibt doch die eine oder andere schöne Erinnerung an die Begegnungen an dieser Stelle.


Montag, 13. November 2017

[Blogtourbeitrag Tag 1] Tanz der Ikonen von B. D. Winter


Buchvorstellung einmal anders
mit Julian Melnik und Alexander Merahwi

Ich stehe vor der Türe von Merahwi & Martin, nervös sehe ich noch einmal an mir hinunter, bevor ich den Klingelknopf drücke und in die Kamera blicke, damit mich jemand hinein lässt. Kurz darauf höre ich auch schon den Summer, der mich zu meinen Interviewpartnern bringen wird.
An der Anmeldung treffe ich Sylvie, welcher ich sage: „Ich habe einen Termin mit Herrn Merahwi und Julian Melnik, wegen des Buches, welches vor kurzem erschienen ist.“
Mein Gegenüber greift zum Telefon und kurz darauf hört man schon Stöckelschuhe, welche in unsere Richtung kommen. Mit einem höflichen aber kurzen „Grüß Gott, Frau Stadler. Folgen Sie mir bitte“ dreht sie sich um und ich habe Mühe ihr trotz ihrer 12 cm hohen Absätze folgen zu können. Sie geht durch ihr eigenes Zimmer und öffnet mir die Tür zu einem großen Büro. Ein attraktiver, südländisch aussehender Mann um die 40 kommt mir entgegen, ein deutlich jüngerer steht ebenfalls auf, um mich zu begrüßen.
Ich nehme auf einer modernen Sitzlandschaft Platz, der Ausblick über den Burggarten ist überwältigend. Nachdem Merahwis Sekretärin uns Kaffee serviert hat, Merahwi gerade das dritte Säckchen Zucker in seinen Cappuccino streut, während Julian seinen Espresso schon zur Hälfte ausgetrunken hat, beginne ich mit dem Interview.

Herzlichen Dank, dass Sie beide mich heute empfangen, um über das Buch „Tanz der Ikonen“ von B.D.Winter zu sprechen.

Herr Merahwi, wie würden Sie das Buch in max. 5 Sätzen beschreiben?
Das Buch schildert auf sehr spannende Weise unsere Bemühungen, eine geschmuggelte Ikone wiederzubeschaffen. Unser Auftraggeber wurde zum Schmuggel erpresst, hatte sie aber irrtümlich an die falschen Leute übergeben. Um seine Karriere zu retten sind wir gezwungen, ungewöhnliche Maßnahmen zu ergreifen.

Sie schauen so komisch, Herr Melnik, würden Sie das Buch anders beschreiben?
Ungewöhnlich ist die Untertreibung des Jahrhunderts, ich hab stellenweise geglaubt, dass ich mich in einem Spionageroman befinde. Aber eigentlich ist es eine Liebesgeschichte, meine nämlich.  Denn was Herr Merahwi ausklammert – ja, ich weiß, dass ich über Homosexualität nicht reden soll, aber Tolya steht selbst offen dazu – ist die Tatsache, dass ich mit Tolya, also mit Herrn Yudin, eine Affäre hatte. In einem ziemlich schwulenfeindlichen Klima. (Er wirft einen vorwurfsvollen Blick in Richtung seines Chefs, aber es fällt ihm auch sichtlich schwer, dabei den Kopf nicht zwischen die Schultern zu ziehen.)

Welches ist denn jeweils Ihre Lieblingsstelle in diesem Buch, welche Sie uns unbedingt vorstellen möchten?
Julian: Eindeutig …
(Merahwi sieht Julian warnend an)
Julian: … also meine Drittlieblingsstellen sind die Geplänkel mit Sylvie. Die ist so was von neugierig, was meine Affäre mit Tolya angeht! Und die Mädels von der WG. Und das eine Gespräch mit Ihnen, das, wo Sie mir das mit der Empathie erklärt haben. Wir sind da nämlich genau hier gesessen, und Herr Merahwi hat mir gesagt, wie der Hase läuft. Sie müssen sich das mal vorstellen, Claudia, ich hatte gerade diesen heißen Sex mit Tolya hinter mir, und mein Chef hat mich sofort durchschaut. Ich sage nur Empathie. Ein empathischer Chef kann die Hölle sein, Mann, war das peinlich! Und dann versuchen Sie mal, in so einer Situation ein Arbeitsgespräch zu führen. Das artete in Beziehungsberatung und Anstandsregeln aus.
Merahwi: DAS ist Ihre Lieblingsstelle?
Julian: Drittlieblingsstelle
Merahwi: Ich habe sehr viele. Aber wenn ich mich entscheiden muss, wähle ich die Verhandlungen mit den Russen.

Themen, wie Homosexualität, Ballett, Tanzen, Verhandlungsstrategien und Kunst, stehen sehr im Fokus in diesem Buch, wie stehen Sie zu diesen sehr interessanten Themen?
Merahwi: Ich halte alle Formen des kulturellen Ausdrucks für wichtig. Beim Small Talk unterhalte ich mich lieber über ein kulturelles Ereignis als über Jagden oder Aktienkurse. Außerdem ist Kunstgenuss ein sehr schöner Ausgleich zum oft sehr taktischen, rationalen Verhandeln.
Julian: Wobei Sie ja nicht nur taktisch verhandeln, sondern da auch eine gehörige Portion Emotion im Spiel ist.
Merahwi: Verwechseln Sie Empathie nicht mit Emotion. Sich in jemanden hineinversetzen und zu fühlen, was der braucht, heißt nicht zwangsläufig, sentimental zu sein oder ihm jeden Wunsch zu erfüllen.
Julian: Ich könnte nicht verhandeln, dazu bin ich zu sehr ein Häferl.
Merahwi: Das verstehen die deutschen Leser nicht.
Julian: Ang'rührt, emotional. Ich bin genau das Gegenteil von sachlich oder taktisch. Was wollten Sie gleich noch mal wissen? Ah ja, das Tanzen. Mit Ballett hab ich nie was am Hut gehabt, bevor ich Tolya gekannt hab. Sie, Chef?
Merahwi: Wenig, wobei ich die Musik schön fand, obwohl ich privat lieber etwas anderes höre.  Für mich war der Premierenbesuch vor allem eine gesellschaftliche Verpflichtung und Gelegenheit zur Kontaktpflege.
Julian: Aber ich hab jetzt ein völlig neues Bild vom Ballett. Früher hab ich es für tuntig gehalten, jetzt sehe ich die irre Disziplin und Körperbeherrschung.
(Es ist klar, dass Julian noch etwas anderes sagen will, aber Merahwis Blick ruft ihn sofort zur Räson.)

Lieben Sie die Kunst und das Ballett?
(Jetzt schweift Merahwis Blick über die Bilder, die in seinem Büro hängen, und der Zug um seinen Mund wird weich, sein Blick sogar ein wenig verträumt.)
Merahwi: Ich will mir ein Leben ohne Kunst nicht vorstellen. Sie berührt mich auf eine Weise, wie es der Intellekt nicht kann.
Julian: Mir geht es so mit Literatur. Das Ballett ist ganz nett, aber Bücher brauche ich unbedingt. Erinnern Sie sich an unseren Weg über den Heldenplatz und unser Gespräch? Das fand ich richtig schön.

Wie viel echte B.D. Winter steckt wirklich in diesem Buch oder auch in dem einen oder anderen Charakter?
Julian: Puh, darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. In mir sicher mein Studium und auch ein bisschen das Goscherte. Ah so, das war wieder Wienerisch. Das Flapsige meine ich, ein bisschen vorlaut, augenzwinkernd charmant, der Wiener Schmäh halt. Und bei Männern haben wir das gleiche Beuteschema.
Merahwi: Ich erkenne auch das Faible für Kunst und Kultur. Die Anlagen zur Empathie, mit denen sie uns beide ausgestattet hat. Sie hat sicher Verhandlungsgeschick, ist aber viel zu subjektiv und zu emotional für eine harte Verhandlung.
Julian: Und meine Schwäche für Helden hat sie, ganz eindeutig.

Was ist jeweils Ihr persönliches Lieblingszitat im Buch?
Julian: Das Zweitlieblingszitat. Mein Lieblingszitat spoilert. "Ab ins Haifischbecken. Wie hoch war die Überlebenschance einer kleinen Sardine?"
Merahwi: Ich schwanke noch, denn auch meine Lieblingszitate verraten zu viel. Aber die Worte meiner Sekretärin gefallen mir: "Und genau so läuft es, Julian, es ist tabu. Können Sie sich das merken, oder muss ich Ihnen ein Memo schreiben?"

Wie wichtig erscheint Ihnen tatsächlich das Thema Homosexualität und Homophobie in der heutigen Zeit in einem Buch zu beleuchten?
Julian: Sehr wichtig. Man kann gar nicht oft genug darüber reden, sonst ändert sich nie etwas. Bei allen bisherigen Fortschritten, aber wir sind noch lange nicht da, wo wir hingehören.
Merahwi: Überhaupt nicht. Sexualität ist Privatsache und sollte das auch bleiben. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, Leute vor den Kopf zu stoßen.

Möchten Sie noch ein Wort über B.D.Winter verlieren und werden Sie sie noch ein weiteres Mal engagieren, um einen Fall für die Leser niederzuschreiben?
Julian: Die Zusammenarbeit war toll, nicht nur mit uns, sondern mit dem ganzen Team. Ich will unbedingt in einem weiteren Roman mitspielen. Nicht wahr, Chef?
(Merahwi sieht Julian in einer Mischung aus nachsichtiger Zuneigung und Belustigung an.)
Merahwi: Wir werden für die Fortsetzung gute Konditionen verhandeln.

Herzlichen Dank für das Interview.

Merahwi bringt mich noch bis zur Tür.
"Hätten Sie Lust, einmal hinter die Kulissen zu blicken und das Team kennenzulernen, Frau Stadler?"
"Sehr gerne, Herr Merahwi. Das ist eine Chance, die ich mir auf keinen Fall entgehen lassen möchte."
"Dann kommen Sie doch einmal zu einem Teammeeting. Dana wird Ihnen den Termin zuschicken."
Er reicht mir zum Abschied die Hand und ich kann verstehen, dass Julian heimlich für ihn schwärmt. Seine Stimme rieselt mir noch in der Erinnerung über den Rücken, und mir ist jetzt schon ganz kribbelig beim Gedanken an das Teammeeting.

Sonntag, 12. November 2017

[ebook] 3. Buch im November: Irgendwie nur du von Emily West



Das Buch "Irgendwie nur du" ist der 1. Teil einer Trilogie. Es wurde von Emily West verfasst und erschien 2017.

Mai ist eine erfolgreiche Moderatorin in Deutschland, Souta bzw. Ninjay mit Künstlernamen ist Musiker und Künstler. Ihr erstes Aufeinandertreffen ist alles andere als normal, denn es findet in einer Toilette statt und ab dem Zeitpunkt beginnt sich ihre Welt in anderen Dimensionen zu drehen.

Der Autorin gelingt ein neues, anderes Werk. man könnte zwar sagen, ja, ein reicher Musiker, versucht sich ein kleines Sternchen zu angeln, aber die Geschichte entwickelt sich nicht in normalen Bahnen, wie wir es gewöhnt sind. Wieder einmal schafft es die Autorin, alles zu Beginn gemachten Überlegungen des Lesern immer wieder über den Haufen zu werfen und andere Wendungen und Dimensionen einzubauen, an die man zunächst gar nicht denkt.
Die Hauptprotagonisten Mai Delly und Souta sind von Anfang an irgendwie gut greifbar und man kann das wirr warr ihrer Gefühle mit ihnen erleben.
Die Wortwahl und der Sprachstil sind sehr gut gewählt, auch die expliziten Szenen sind in keinster Weise zu aufdringlich und genau passend für ein Buch dieses Genres.
Da es sich um einen Auftakt einer Reihe handelt, endet der 1. Teil auch mit einem Cliffhanger, da allerdings der nächste Teil schon angekündigt wird, muss man nicht mehr allzulange warten, um zu erfahren wie es mit den beiden und ihren Freunden weitergeht.

Jeder, der gerne etwas andere Liebesgeschichten mit Erotik, Liebe, Hass, Eifersucht, Selbstzweifel und Selbstverwirklichung liest, ist mit dieser Reihe von Emily West bestens beraten.

Freitag, 10. November 2017

[ebook] 2.Buch im November: Tanz der Ikonen von B. D. Winter

Das Buch "Tanz der Ikonen" wurde von B. D. Winter verfasst und erschien 2017 bei Aventiure.

Tolya Grigorowitsch Yudin beauftragt die Firma von Alexander Merahwi mit einem brisanten Fall, denn eine Ikone, die er nach Wien mitgenommen hat ist in die falschen Hände gewandert. Der junge Angestellte in der Firma Julian Melnik wird in das Team aufgenommen und die rasante Suche nach der Ikone beginnt.

Der Autorin, von der ich bereits zwei andere Bücher, welche sie unter anderem Namen veröffentlicht hat, gelesen habe, konnte mich mit diesem Buch überraschen. Nicht nur, dass es in der Gegenwart spielt. Auch die Tatsache, dass sie sich in ein völlig neues Genre traut, in die Gay-Romance. Man kann das Buch beschreiben mit einem Thrilleranteil von 60% und eine Liebesgeschichte von 40%.

Die Hauptprotagonisten konnten mich sofort abholen und ich konnte sie auf ihren Weg durch Wien begleiten. Man kann mit ihnen mitfiebern, mit ihnen lachen, mit ihnen fürchten, mit ihnen abenteuerliche Situationen meistern und natürlich auch bei so mancher Verwirrung des Herzens dabei sein.
Julian Melnik, der junge Doktorant, welcher Literatur liebt und in der Firma von Merahwi und Martin schlagartig in der Hierarchie aufsteigt. Er ist jung, kämpferisch und er steht für seine Werte ein, die er allerdings hart umkämpfen muss, denn Homosexualität ist in diesem Betrieb nicht gerne gesehen.
Alexander Merahwi, der Verhandlungsstratege und Verfechter der Ansicht, dass das Privatleben im Betrieb nichts zu suchen hat. Er ist sehr strikt, liebt die Kunst und wird von Kapitel zu Kapitel mehr zu einem sehr sympatischem Charakter.
Der Sprachstil und die Wortwahl sind sehr passend und sehr gut und flüssig zu lesen. Man fliegt förmlich durch die Zeilen und muss aufpassen, dass man die Nacht nicht zum Tag macht. Die Actionstellen sind in einem Tempo geschrieben, wo man selbst außer Atem kommt, sich Gedanken macht, was als nächstes passieren könnte und wie man aus diesen Situationen wieder rauskommen kann. Auch die homoerotischen Liebesszenen sind sehr gut in das Geschehen eingebaut, sodass sie wirklich als harmonisches Ganzes gesehen werden können. Ohne diese Kämpfe um die wahre Liebe und das Recht diese Liebe auszuleben wäre das Buch, nicht das, was es jetzt ist, eine tolle Gesamtkomposition.

Jeder, der gerne einmal das Genre Gay-Romance-Thriller ausprobieren möchte, ist mit dem Werk von B. D. Winter sehr gut beraten, denn es ist alles enthalten. Liebe, Hass, Eifersucht, Furcht, Kämpfe, Verfolgungsjagden und ganz viel Spannung. Ich persönlich freue mich schon auf den nächsten Band.

Donnerstag, 9. November 2017

[ebook] 1.Buch im November: Unvergessliche Weihnacht von Anja Hansen





Das Buch "Unvergessliche Weihnacht" wurde von Anja Hansen verfasst und erschien 2017 im moments Verlag.



Simone und Ben wollen heiraten und laden zu ihrer Verlobungsfeier ihre besten Freunde ein. Simone lädt Jule, Ben lädt Noel ein. Es ist eine schneereiche Anfahrt und auf dem Weg zurück in die Stadt bleibt das Auto liegen.

Der Autorin gelingt es eine Geschichte zweier Menschen zu erzählen, die das Liebesleben zweier enttäuschter Menschen genauer beleuchtet. Jeder von ihnen hat ein anderes Schicksal aber beide sind tief verletzt.

Durch die wechselnde Perspektive kann auf die Charaktere sehr gut eingegangen werden. Man fühlt sich direkt in die Geschichte hinein, fühlt mit den Protagonisten, lacht mit ihnen, erlebt ihre inneren Konflikte ob der Situation mit ihnen.


Die Wortwahl und die Sprache sind ideal gewählt, auch mit den kurzen Kapitel ist ein sehr flüssiges Lesen möglich und man rast nur so durch die Winterlandschaft.


Jeder, der Liebeskurzgeschichten gerne liest, ist mit dieser Geschichte sehr gut beraten, denn es ist alles enthalten um einen allumfassenden Lesegenuss zu gewährleisten.

Mittwoch, 1. November 2017

[ebook] 25.Buch im Oktober: Von den Herrschern der See von Rebekka Mand



Das Buch "Von den Herrschern der See" in der letzte und finale Teil der Grenzensaga, welche von Rebekka Mand verfasst wurde. Es erschien 2017.


In diesem Band erfahren wir wieder einiges über Lynn und Eirik, auch die magischen Fähigkeiten von Lynn werden wieder stärker beleuchtet, welches dem Buch noch einmal einen besonderen Touch gibt. Wir können unsere Protagonisten auf ihren Weg begleiten endlich sesshaft zu werden. Dieser Weg ist mehr als steinig und die Probleme, die sie daraus erleben und die sich ihnen in den Weg stellen, werden in sehr deutlich herausgeschrieben.
Man kann auch in diesem Buch von Rebekka wieder total eintauchen und das Geschehen hautnah erleben und mit den Charakteren mitfiebern, mitlachen, mitleiden. Das Eintauchen in eine fremde Welt ist sehr gut möglich und es beschert einem einen Lesegenuss der Sonderklasse.


Ich kann die Grenzensaga jedem Leser nur empfehlen. Lesen Sie es und tauchen Sie ein in die Welt der Wikinger und ihrem Zauber.

[ebook] 24. Buch im Oktober: Von den Hütern der Schlange von Rebekka Mand



Das Buch "Von den Hütern der Schlange" ist der 2. Teil der Wikingersaga, welche von Rebekka Mand verfasst wurde und erschien 2015.


Da ich es bei Reihen immer sehr schwierig finde, mit dem Inhalt nicht zu spoilern, wenn ein Leser, der den 1. Band nicht kennt, werde ich diese bei dieser Rezension weglassen.


Der Autorin gelingt es uns mit den Protagonisten in unbekannte Länder zu entführen. Wir lernen neue Personen kennen und verfolgen den Lebensweg von Lynn und Eirik weiter. Besonders interessant ist dieses Mal der Abstecher in die Vergangenheit, in die Zeit von Lynns Vater Riann.
Die Autorin macht mit ihrer bildhaften und wortgewaltigen Geschichte das Lesevergnügen zu etwas ganz besonderem. Es gelingt, den Leser mit einem Kopfkino einzufangen und die Geschichte mitzuerleben.


Jeder der gerne Geschichten, welche zur Zeit der Wikinger spielen und mit einer unnachahmlichen Wortgewalt dargestellt werden, liest, muss zu dieser Saga greifen.

Dienstag, 31. Oktober 2017

[ebook] 23.Buch im Oktober: Behemoth 2333 - Der Hyperraumkrieg von Joshua Tree



Das Buch "Behemoth 2333: Der Hyperraum Krieg" ist der 2. Band der Behemoth 2333 - Serie, welche monatlich erscheint, wurde von Joshua Tree verfasst und erschien 2017.


Das die Bände nahtlos ineinander übergreifen, möchte ich bei dieser Serie auf eine Inhaltsangabe verzichten, um nicht Neuleser zu spoilern.


Dem Autor gelingt es durch seine flüssigen, spannenden und mitreißenden Erzählstil einem in eine Welt mitzunehmen, die einem in einem Kopfkino zurücklässt, welches seinesgleichen sucht. Es sind wieder meine Lieblingsprotagonisten, Jeremy Brandt und Pascal Takashi mit an Bord, die mit viel Spannung und unerwarteten Wendungen durch den Band fegen. Sie sind wie beim letzten Mal wieder sehr lebendig und greifbar und die Geschichte voller Emotionen und auch Gefühlen, denen man sich als Leser nicht entziehen kann. Alleine die letzte Szene in diesem Buch hat es in sich und man freut sich bereits auf den nächsten Teil.


Jeder der auf spannende Science-fiction steht, ist mit dieser Serien wirklich gut beraten und man will eigentlich sofort den nächsten Teil in Händen halten.

[Halloweenlesewoche] Tag 7



🎃 Tagesaufgabe 7 🎃

Keine Müdigkeit vortäuschen! Heute geht es ans Eingemachte! Wir wollen eine Kurzgeschichte, einen Prolog, ein Kapitel, ein Gedicht, ein Lied, whatever von euch sehen oder gar hören! Wichtige Bedingung: Es sollte zu Halloween passen und nein schnulzige Liebesgeschichten, mögen so manch einem Schauer über den Rücken jagen, aber heute dürfen sie in der Versenkung bleiben!



Der Halloweenmörder

Prolog

 Wie jedes Jahr knapp vor Halloween steht die gesamte Polizei der kleinen Stadt Russbach in Alarmbereitschaft. Denn immer in diesen Nächten, treibt seit drei Jahren ein Serienmörder sein Unwesen. Immer wenn sie in den letzten Jahren ganz knapp vor der Lösung des Falles standen, hörte die Serie der Morde einfach auf.
Jedes Jahr 5 Mordopfer und ein verstörter Überlebender, aus dessen Gefasel keiner wirklich schlau wird. Somit weiß keiner, aus welchem Grund der Mörder seinen tödlichen Streifzug durch die Stadt macht. Eines fällt aber auf, gefährdet sind nur jene, die Halloween genießen und feiern, alle Verweigerer scheint er zielgerichtet zu ignorieren.   

27.10.2012

„George, gehen wir dieses Jahr wieder verkleidet, süßes absammeln?“
„Sicher, das lassen wir uns nicht entgehen. Gratis Süßkram und noch lange aufbleiben, das klingt doch ideal. Wer macht denn noch aller mit?“, fragt George interessiert Sam.
„Bisher haben, du, Rusty, Jack, Victor und Rick zugesagt, das passt aber auch, sobald man mehr als sechs Leute ist, geben die Leute nicht mehr so viel.“
„Da hast du recht, aber als was gehen wir denn dieses Jahr, viel Zeit bleibt uns ja nicht mehr.“
„Ich dachte daran, dass wir als der Tod und seine Gehilfen gehen. Die Sensen habe ich schon aus unserer Scheune geholt, denn die brauchen wir bis zum Frühjahr sicher nicht mehr.“
„Super. Komm, lass und die anderen zusammentrommeln und dann legen wir los mit unseren Vorbereitungen.“
Schnell gehen Sam und George zu den Nachbarhäusern um ihren Streifzug durch die Häuserzeilen zu planen, denn es gibt auch hier in dem kleinen Ort noch Leute, die von Halloween absolut nichts halten und sie mit einem Stock verjagen.
Voller Elan planen die sechs Jungs ihren Streifzug durch die Ortschaft und freuen sich schon auf einen lustigen erfolgreichen Abend.

28.10.2012 

Schon am nächsten Tag treffen sich die Jungs wieder um die weiteren Details ihres Planes zu besprechen. Dazu gehen sie in ihre Stammkneipe, um sich ihr Lieblingsgetränk zu gönnen, eine schöne kühle Cola. Zu ihrer Überraschung ist aber heute nicht der übliche Barkeeper hinter der Bar, sondern ein ihnen völlig Unbekannter, aber solange er eine Cola in ein Glas schütten kann ist es ihnen egal, wer hinter der Theke steht und ihr Geld will.
Als sie allerdings die Getränke zahlen wollen, sagt diese Person: „Geht aufs Haus, meine Lieben, weil ihr so fleißig die gruseligste Zeit im Jahr plant.“
Die Jungs zucken mit den Schultern und nehmen das Geschenk dankend an. Doch als ihnen der schale Nachgeschmack und das Lachen der Bedienung auffällt, ist es für sie schon zu spät. Ihr Blickfeld verkleinert sich, ihre Stimme gleicht nur mehr einem Lallen, auch ihre Koordination ist schwer beeinträchtigt. Doch Sam versucht  noch zur Türe zu schwanken, um Hilfe zu suchen. Auf der Mitte des Weges, lassen seine Glieder einfach aus und er sackt zu Boden, wie eine Marionette, der man die Fäden durchgeschnitten hat. Auch die anderen Jungs gleiten von den Barhockern und schlagen auf dem Boden auf. Vereinzelt versuchen sie noch, sich hinter die Bar zu schleppen, aber alle Bestrebungen sind umsonst. Wie nasse Putzlumpen liegen sie übereinandergestapelt vor der Bar.
Der Unbekannte tritt nach vor, sieht auf die Jugendlichen und beginnt sie durch den Hinterausgang nach draußen zu bringen, wo ein Viehtransporter auf seine Ladung wartet. Sein Komplize, der den Wagen steuert, hat eine Maske auf und beobachtet das Schauspiel, denn jeder Jugendliche wird mit einer Halsfessel an einen Platz gebunden, dem Leitjugendlichen wird sogar, wie einen Zuchtbullen ein Ring durch die Nase getrieben, um ihn mit einer Stange noch besser führen zu können. Voller Siegesfreude, bezahlt er seinen Komplizen und schickt ihn fort, denn nur für diesen einen Tag brauchte er diese Person, um das sonst an diesem Tag geschlossene Lokal öffnen zu können und was ihn noch mehr freut ist, dass die Jugendlichen ihm wirklich auf den Leim gegangen sind, besser konnte es doch gar nicht laufen.
Schnell nach Hause und alles für meine kleinen Zuchtstiere vorbereiten, denn das wird ein Erlebnis, das wird diese Stadt so lange nicht vergessen. Das wird in die Geschichte eingehen, was ich hier vorhabe, wird alle bisherigen Serienkiller in den Schatten stellen und nie, nie werden sie mich finden. Ich bin zu gut. Ach, sieh sich einer, diese prachtvollen Burschen an, einfach göttlich, diese vor Jugend strotzenden jungen Männer. Man kann gespannt sein, wie mein Leitbulle das übersteht und ob er es überhaupt übersteht.
Das Fahrzeug bewegt sich langsam Richtung Bauernhof davon, wo er extra Räume für sie hergerichtet hat, um ihnen einen schönen Aufenthalt zu ermöglichen. Dort angekommen, entkleidet er sich alle und befestigt sie mit einer speziellen Halsfessel, wie es auch die Kühe immer umhaben, um sie in den Ställen zu befestigen. Sams Wunde an der Nase hat endlich aufgehört zu bluten und er schlingt auch durch diesen Ring eine feste Schnur, um ihn festzubinden, denn er ist der Wichtigste in seinem Plan.
Wie auch die Kinder, hat er bereits alles durchgeplant und freut sich darauf ihre erstaunten Gesichter zu sehen, wenn sie aus ihrer Betäubung mit Rohypnol erwachen.
Lange muss er nicht darauf warten und er kann alles mit der Kamera beobachten, denn zu erkennen will er sich den Jugendlichen nicht geben, man weiß ja nie, was die nachher noch alles wissen oder an die Polizei weitergeben können.
George, Rick, Rusty, Jack und Victor wachen fast zeitgleich auf und blicken verwirrt von der Fessel um ihren Hals und zu den anderen. Sie zerren daran und beginnen laut zu fluchen.
„Verdammte Hühnerkacke! Was ist denn passiert, gerade trinke ich noch eine Coke, nun sitz ich hier, wie ein Vieh, angeknotet an der Wand und oh mein Gott, seht mal, was sie mit Sam gemacht haben.“
„Du bist übrigens auch nackt, George“, sagt Rick verbittert und hält sich den Kopf, der ihn sehr schmerzt, bemerkt aber auch die Veränderung an Sam.
Dieser reckt sich gerade und gähnt herzhaft, als er aufzustehen versucht, aber durch die Fessel um den Hals und durch seinen Nasenring sofort wieder in die Ausgangsposition gebracht wird.
„Was ist denn mit uns passiert?“, fragt Sam verwundert und sieht sich in ihrem Gefängnis um. Vorsichtig tastet er in sein Gesicht und fährt zusammen, als er den Ring berührt. Er zischt auf und beginnt zu schreien. Erst als eine Stimme durch ein Mikrofon erschallt, hört er auf.
„Meine Herrn, somit sind also alle sechs erwacht. Entschuldigen Sie die Umstände des Transportes und die Schmerzen, aber Sie sind mein Projekt und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie alles, was Ihnen aufgetragen wird, machen, ansonsten muss ich leider Ihre Luftzufuhr ein wenig verringern. Sie werden mich nie persönlich kennenlernen, ich kann alles von meinem Steuerungsbüro aus regeln. Sam kommen Sie bitte einmal zur Tür und bringen Sie Ihren Kammeraden das Essen, anschließend begeben Sie sich mit Ihrer Ration bitte wieder zu ihrem Platz. Wenn Sie nicht das machen, was ich will, werde ich dazu einen Stock verwenden, den ich in Ihren Nasenring einführen kann. Ich glaube nicht, dass Sie das wollen, Sam? Ich sehe Ihr Kopfschütteln, also werde ich nun Ihre Halsfessel lösen und bitte holen Sie das bereitgestellte Essen.“
Ängstlich steht Sam auf und ist erleichtert, dass die enganliegende Halsfessel gelöst ist. Schwankend geht er zur Tür und nimmt zunächst zwei Teller und bringt sie George und Rick. Die nächsten beiden Teller bringt er Jack und Victor, als er die letzten beiden Teller nimmt und eines Rusty gibt, ertönt wieder die Stimme.
„Sehr gut gemacht, bravo. Aber nun bitte wieder zur Wand und legen Sie sich die Halsfessel wieder um. Ich danke Ihnen für Ihre Mitarbeit. Guten Appetit.“
Ängstlich blicken die Jugendlichen auf die Teller. Rick ist der, der es ausspricht, was alle anderen befürchten: „Was ist, wenn da schon wieder etwas drinnen ist, das uns willenlos und schläfrig oder schlimmeres macht?“
„Wieso sollte er das machen? Er hat uns doch schon und vielleicht wäre es sogar besser, wenn wir wieder betäubt werden, denn ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie weh dieser Ring tut“, sagt Sam und nimmt einen großen Löffel.
Als die anderen sehen, dass ihm nichts passiert, beginnen auch sie ihre Portionen zu essen. Nachdem ihr Nachtmahl beendet ist, geht die Halsfessel von Sam wieder auf und er kann die Teller wieder zur Türe räumen.
Die Stimme ertönt wieder: „Sehr gut, wie Sie das gemacht haben, Sam, ich bin stolz auf Sie, dass Sie keine Probleme machen. Geben Sie jetzt jeden aus Ihrer kleinen Halloweengruppe einen Schluck aus der Ihnen zugänglichen Wasserflasche. Wehren hat keinen Sinn, meine Herren, ich bitte um einen kräftigen Schluck. Falls sich jemand weigern sollte, helfen Sie bitte nach, Sam.“
Mit großen Augen starrt er auf die Wasserflasche und weiß, er hat keine andere Chance, als jeden trinken zu lassen. Also geht er reihum und jeder trinkt einen großen Schluck, als er bereits beim vierten ist, sieht er, dass die ersten bereits wieder in tiefen Schlaf gefallen sind, welches Gift dieses Mal verwendet wird, ist ihm noch nicht klar, aber Sam ist klar, egal, wie das ganze hier ausgeht, er wird immer mit einer gehörigen Portion Angst an Halloween leben.
Als alle seine Freunde aus der Flasche getrunken haben, ertönt wieder die Stimme. „Bevor Sie jetzt auch davon trinken, habe ich noch eine Aufgabe für Sie. Bitte legen sie zwei ihrer Kammeraden auf eine Schubkarre und stellen sie diese zum Tor. Trinken Sie anschließend dort sofort die kleine Flasche Wasser, welche Sie dort vorfinden werden. Wenn die Türe geöffnet wird, führen Sie die Anweisungen meines kleinen Helferleins bitte ohne zu murren aus. Anschließend erwarte ich, dass Sie sich ohne sich umzukehren wieder zu Ihrem Platz begeben.“
Sam sieht, dass die Halsfesseln von Rick und Victor aufspringen, also nimmt er die Schubkarre, lädt seine beiden Freunde darauf und fährt sie zum Tor. Dort befindet sich tatsächlich eine Flasche mit Wasser, da er keine andere Chance sieht, nimmt er sie und leert sie mit einem Zug. Leichter Schwindel ergreift ihn, aber er kann noch alles ohne Probleme ausführen, so fragt er sich auch nicht, warum eine seltsame Figur ihm Anweisungen gibt.
Er fragt sich auch nicht, wieso er seine Freunde auf einem Podest aufrecht anbinden soll und dann wieder in seine Ecke zurückkehrt, um der Müdigkeit, die nun um ihn greift, nachzugeben

29.10.+30.10.2012

Als Rick und Victor zu sich kommen, registrieren sie zunächst nicht, dass sie sich in einem anderen Bereich befinden, abgeschottet von den anderen.
Rick flüstert leise: „Vic, hast du eine Ahnung, wo wir jetzt wieder sind? Wir müssen aufhören, das zu essen und zu trinken, was der uns dauernd anbietet, das kann nicht gut ausgehen.“
„Rick, ich weiß nicht mehr als du. Sieh dich mal um, da ist nichts, nur wir zwei und das Wasser, was ganz langsam von oben herunterrinnt. Oh mein Gott, der wird doch nicht, oder?“
„Vic, du siehst zu viele Horrorfilme, nein, der bringt uns doch nicht um, da bekommt er doch kein Geld mehr für uns. Ich bin da ganz optimistisch, dass er uns nur erschrecken will.“
Von Victor erhält er nur mehr ein kurzes Grunzen und leises Gemurmel, dass sich anhört wie ein Gebet. Aber Rick ist noch nicht bereit und zeigt sich kämpferisch, indem er an seinen Fesseln zieht, was ihm einen schmerzhaften Einschnitt in die Handgelenke bringt. Erschöpft hört er auf und blickt sich noch einmal genau um.
Da ertönt wieder die Stimme. „Ihr zwei wurdet auserwählt, die ersten zu sein. Ihr könnt stolz sein, es hierhin geschafft zu haben. Ich könnte Ihnen jetzt recht geben, aber das wäre gelogen. Erschrecken will ich Sie auch, aber mein Plan ist ein anderer. Sie werden mit Schaudern feststellen, dass es viel zu schnell darum gehen wird, das richtige zu tun, um sein Leben zu retten. Ich wünsche Ihnen einen herrlichen Tag und hoffentlich noch eine folgende Nacht. Essen werden Sie heute keines mehr bekommen. Leben Sie wohl und immer schön den Kopf oben behalten.“
Victor fängt leise an zu weinen und wartet leise auf das unausweichliche Ende, während Rick lauthals zu schimpfen und zu zetern beginnt. Als die beiden jedoch bemerken, dass das Wasser, je lauter es ist, schneller rinnt und somit auch schneller steigt.
„Halt den Mund Rick, vielleicht können wir nach zwei Tagen raus, wenn wir nicht ertrunken sind, aber mit deinem Geschrei, rinnt das Wasser immer schneller. Halt um Himmelswillen den Mund, bitte!“
Rick sieht das Dilemma auch und nickt nur mit dem Kopf. Als es ganz leise ist, hören sie nur mehr das leise stetige tropfen des Wassers, welches sich aber auf ganz wenig begnügt. Immer wenn sie nur das geringste Geräusch machen, sprudelt sofort mehr Wasser herab. Ihre Beine sind schon ganz kalt, denn durch den anfänglichen Ausraster Ricks, steht ihnen das Wasser bereits bis zu den Knien.
Da die beiden den Überblick über die Zeit verloren haben, hoffen sie, dass die Hälfte der Zeit schon vorüber ist, doch die unbekannte Stimme hat anderes mit ihnen vor. „Da Ihr scheinbar gemerkt habt, wie Ihr das Wasser verlangsamen könnt, bringe ich wieder etwas Leben in das Spiel. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Glück!“
Laute Musik tönt aus den Lautsprechern und das Wasser rinnt viel zu schnell in den kleinen Raum. Es ist bitterkalt und Victor bekommt bereits blaue Lippen. Die Finger und Zehen spürt er schon, wie Rick, eine geraume Zeit nicht mehr und er spürt, wie sein Leben immer mehr seinen Körper verlässt.
Mit letzter Kraft wendet er das Wort an Rick: „Rick, ich glaube ich stehe das nicht mehr lange durch, aber ich will wirklich kämpfen, doch er ist einfach zu bösartig, um uns doch noch das Leben zu erkaufen. Grüß die anderen und bleibe so, wie du bist.“ Dann ächzt er noch einmal auf und beginnt nur mehr ganz vereinzelt und schwer zu atmen. Nach einer Stunde ist der Kampf von Victor vorbei und die Musik verhallt langsam.
Rick weint mittlerweile ungehemmt und hofft weiterhin auf ein Wunder, welches hoffentlich bald kommt, denn alles will er, aber nicht im Wasser erfrieren. Da spürt er von oben etwas herunterfallen. Irritiert blickt er nach oben und er sieht immer wieder einen Kran, der Heu und Stroh in die Grube wirft. Bereits nach kurzer Zeit, befindet sich um ihn herum nicht mehr nur Wasser, sondern auch der Heu und Stroh. Voller Panik blickt er nach oben, denn diese Ballen werden nicht aufgelockert nach unten geworfen, sondern als gesamtes. Wenn ihn so etwas trifft, ist es auch mit ihm vorbei.
Doch nach einiger Zeit, das Heu und Stroh steht ihm bis zur Brust ist es vorbei und die Stimme ertönt wieder. „Die Runde gegen Ihren Freund haben Sie gewonnen, aber gewinnen sie jetzt auch die Runde gegen das Wasser und das Stroh? Ich wünsche Ihnen für die restlichen zwei Stunden des zweiten Tages viel Glück und vielleicht hört man sich ja wieder.“
Verzweifelt blickt Rick nach oben, aber durch das Wasser und das Stroh, kann er sich keinen Millimeter mehr bewegen, er ist wie festzementiert in der Falle. Nun versteht auch er, warum Victor seine Zeit mit beten verbracht hat. Wenn es einen Gott gibt, wird er mich hoffentlich nicht zu sehr leiden lassen, denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass der Tod von Victor der humanere gewesen ist, schießt es ihm durch den Kopf.
Bereits nach einer halben Stunde beginnen seine ersten Knochen ob des Drucks des Heus zu brechen und die Schmerzensschreie lassen das Wasser noch schneller laufen. Als schließlich fast kein Knochen mehr heil ist in seinem gepeinigten Körper, verlässt auch ihn der letzte Lebensfunke und der Wahnsinn hat zumindest für ihn ein Ende.

****

Währenddessen in dem anderen Raum mit den restlichen vier Jugendlichen.
„Was werden die zwei erleben? Vielleicht sind sie schon zu Hause und wir haben hier die A-Karte gezogen“, sinniert Rusty laut vor sich hin.
„Ich hoffe für sie, dass sie etwas tolles erleben“, wirft auch Jack ein.
„Leute, seid nicht so naiv, ich weiß es nicht, was ich gestern getan habe, aber es sah zu Beginn nicht aus, wie ein Spaß, den die zwei erleben werden, eher die Hölle auf Erden und ich hoffe ich werde nie erfahren, was sie erleben mussten“, flüstert schließlich Sam in den Raum hinein.
„Meine Herren!“, tönt es aus den Lautsprechern, „Die Zeit Ihrer Mitstreiter ist abgelaufen und diese haben leider das Spiel gegen die Zeit nicht gewonnen, aber die nächste Runde beginnt. Heute sage ich Ihnen, dass es morgen ein kleines Gemetzel geben wird, aber genaueres morgen. Ich wünsche manchen von Ihnen eine ruhige letzte Nacht auf Erden.“
Ängstlich blicken sich die Jugendlichen um und versuchen nicht mehr an morgen zu denken, denn die Vorausschau auf morgen, sagt ihnen, dass für so manchen vielleicht heute sogar die letzte Stunde geschlagen hat.

31.10.2012

Am nächsten Tag erschallt die Stimme wieder aus dem Lautsprecher. „Jeder geht, nach dem Status der sich öffnenden Halsfessel in den benachbarten Raum. Ziehen Sie alles an, was Ihnen dort gereicht wird, anschließend lassen Sie sich dorthin führen, wo Sie gebraucht werden.“
Zunächst löst sich die Halsfessel von George. Unsicher blickt er sich um, denn wohl ist ihm bei dem Gedanken nicht, sich alleine in einen Raum zu begeben, ohne zu wissen, was sich dort befindet. Doch er sieht keine Chance dem ganzen zu entrinnen, also ergibt er sich in sein Schicksal und geht zu der Tür, die sich sofort, wie durch Zauberhand öffnet.
Dahinter befinden sich ein kleiner Vorraum und eine Gestalt mit einer Kuh-Maske über dem Kopf. Diese Gestalt weist auf die rüstungsähnliche Ausstattung in der Mitte des Raumes. Als er sie angelegt hat, wird er in den Raum links von ihm geschoben. Er erkennt noch einen schmalen Raum mit Öffnungen an der Seite, bevor sich die Türe schließt, dann senken sich über ihn die Dunkelheit und eine undefinierbare Angst.
Dann löst sich die Halsfessel von Rusty, welcher dieselben Prozederen zu erledigen hat und auch Jack ereilt derselbe Auftrag, wie Rusty und George. Als nun alle drei in ihren engen Kammern stehen, in denen sie sich nur um sich selbst drehen können, hören Sie alle die Stimme: „Danke, dass Sie ohne Probleme zu machen, bisher meinen Aufforderungen gefolgt sind, deswegen werde ich heute alles schneller beenden, als bei den letzten zweien. Keiner wird wissen, was geschieht, aber alle werden wissen, wen es erwischt hat. Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit.“
Panik macht sich in den dreien in ihren Verliesen breit, denn was kann man aus diesen Worten schließen? Was wird geschehen? Am schlimmsten ist es für Rusty nichts zu sehen in der Dunkelheit, denn nicht zu sehen, was auf einem zukommt, ist für ihn die schlimmste Strafe und die Tränen rinnen ihm wie Sturzbäche von den Wangen. Wenn mich jetzt die anderen sehen könnten, stehe da und weine wie ein Mädchen, denkt er bei sich und versucht seine Nerven wieder unter Kontrolle zu bringen.
Sam wartet währenddessen auf die Loslösung seiner Halsfessel, aber stattdessen schwebt ein Schaltkasten herunter und die Stimme durchbricht die unheimliche Stille. „Ihre Freunde sind nun alle bereit. Wählen Sie nun durch einen Knopf, wer als erster um sein Leben kämpfen darf.“
„Nein, ich werde sicher keinen Knopf drücken um deren Untergang zu unterschreiben. Vergessen Sie es!“, schreit Sam entsetzt heraus. Doch er hat nicht mehr an die Drohung gedacht, welche durchgesetzt werden wird, wenn er sich weigert. Kaum spricht er die Verweigerung aus, senkt sich ein Stab von der Decke, der sich in seinem Nasenring verhakt und ihn durch ein stetiges Ziehen erinnert, dass er dem Willen des Unbekannten ausgeliefert ist.
Unter Tränen drückt er blind einen Knopf und schreit: „Ich habe verstanden, ich habe keine Rechte, ich bin nur mehr wie ein Vieh, welches einen Zweck hat, Ihre Befehle zu befolgen. Bitte lassen Sie das mit dem Stock!“
Kaum ist der Knopf gedrückt und diese Worte gesagt, löst sich der Stab wieder und die Stimme erschallt: „Endlich haben Sie es kapiert, wer hier die Fäden in der Hand hat. Gratuliere. Sie haben soeben das Schicksal eines Ihrer Freunde besiegelt. Ich danke Ihnen für Ihre Zusammenarbeit.“
Zusammengesunken sitzt Sam an seinen Platz und wartet auf die Auflösung, welchem seiner Freunde er vermutlich schreckliches angetan hat. Bin ich nun ein Mörder, nur weil ich unter Druck das gemacht habe, was dieser Psychopath von mir verlangt, oder bin ich weil ich ja nicht direkt gemordet habe, doch unschuldig? Ich will das alles nicht mehr, spukt es in Sams Kopf herum.
Währenddessen geht bei Rusty die Türe auf und er wird gebeten sich wieder zu entkleiden und zu seinem Platz zurückzukehren. Ganz leise hört er einen unterdrückten Schrei und Geräusche, welche er lieber nicht gehört hätte. Auch Jack kommt wenig später frei und darf an seinen Platz zurückkehren.
In dem kleinen Raum, in dem sich George befindet ertönt auf einmal ein Geräusch, welches er noch nie gehört hat. Doch, eigentlich hat er es schon einmal gehört, immer wenn sein Vater mit der Sense das Gras mäht, ertönt bei genügend Schwung ebenfalls dieses Geräusch. Bevor er aber überhaupt reagieren oder schreien kann, sind aus den Öffnungen, die er vorher noch gesehen hat, verschiedene Sensen und Sicheln herausgeschossen und haben seinen Körper förmlich in Stücke gehackt. Mit weit aufgerissenen Augen und tagheller Beleuchtung, fällt er zu Boden. Noch bevor er unten ankommt hat er bereits seinen letzten Atemzug getätigt. Nicht einmal zu überlegen ist er gekommen, denn der Unbekannte hat sein Versprechen es schnell zu machen tatsächlich erfüllt. Innerhalb von wenigen Sekunden ist alles vorbei.
Traurig registriert Sam, dass ausgerechnet sein bester Freund George nicht mehr zurückkommt und eine Trauer ungeahnten Ausmaßes überrollt ihn. Er zieht die Beine an seinen Oberkörper und wippt hin und her, selbst die Stimmen seiner Freunde und des Fremden können ihn aus seiner Lethargie nicht befreien, erst als er den Stab wieder herunterschweben sieht, kommt ihm der Gedanke, dass er vielleicht irgendeine Aufgabe nicht erfüllt oder gehört hat.
„Moment, ich bin schon wieder hier. Könnten Sie bitte wiederholen, was ich machen soll?“
„Schön, dass Sie wieder reagieren, ich dachte schon, ich müsste Sie heute noch einmal dieser schmerzhaften Erfahrung aussetzen. Gut, bitte begeben Sie sich zur Türe und verlassen Sie den Raum. Gehen Sie in den Raum, dessen offene Türe Sie sehen. Dort legen Sie sich auf die Pritsche und warten auf weitere Anweisungen.“
Sam zuckt mit den Schultern und geht auf die Türe zu, welche sich gerade wieder öffnet und schreitet hindurch, ohne noch einmal zu seinen zwei verbliebenen Freunden zurückzusehen. Als er den Raum am Ende des Ganges betritt, befinden sich darin tatsächlich eine Pritsche und ein Fernseher. Die Gestalten, die er vorher gar nicht registriert hatte, treten ebenfalls in den Raum und binden ihn an das Bettgestell fest, damit er nicht fliehen kann, flößen ihm etwas zu trinken und zu essen ein und überlassen ihn seiner eigenen Fantasie, was mit ihm nun passieren kann. Lange dauert es allerdings nicht, bis er wieder in einen künstlich zugeführten Schlafmodus verfällt.

****

Auf der Polizeistation von Russbach befinden sich gerade die Eltern der sechs vermissten Jugendlichen, denn als sie endlich bemerkt haben, dass von ihren Kindern jede Spur fehlt, hat es gedauert, dann musste noch die 24 Stunden Frist abgewartet werden und heute an Halloween erhielten die Eltern eine Nachricht des Entführers.
Liebe Eltern, ich muss Ihnen mitteilen, dass Ihre Kinder wegen Ihres Halloweenfeierwütigen Lebens sich in meiner Gewalt befinden, ich werde Ihnen zeigen, was echte Angst ist und werde Sie in die Hölle des Lebens mitreißen. Sie können hoffen, dass die Kinder alles machen, was ich will, ansonsten wird es nicht möglich sein, sie Ihnen ohne Schaden zurückzugeben. Ich will Ihnen aber die Chance geben, Ihre Kinder zu finden, deswegen sage ich nur eines, wer den Minotaurus durch seine Feierlichkeiten zu Halloween stört wird sterben, wenn nicht dieses Jahr, dann nächstes, so lange, bis man mich erwischt. Spätestens in vier Tagen werden Sie erfahren, wo Sie Ihre Kinder finden können. Ich wünsche Ihnen noch schöne Tage in der Hölle. Hochachtungsvoll, Ihr Minotaurus.
Fast schon panisch wollen die Eltern von den ermittelnden Beamten Haberlund und Kaiser, Hilfe erbeten, aber solange sie absolut keinen Anhaltspunkt haben, wo sie anfangen können zu suchen, wird es selbst für Profis schwer. Dies versuchen sie auch den Eltern zu erklären, welche nur noch mehr in Wehklagen ausbrechen. Denn eines ist beiden klar, nach diesem Brief stehen die Chancen die Kinder alle lebendig zu finden bei einem sehr geringen Grad.

1.11. + 2.11. 2012

Die Wände des Raumes in denen sich Rusty und Jack sich noch befinden bewegen sich teilweise und das was sie sehen gefällt ihnen beiden gar nicht, denn sie blicken in die Augen von mindestens 30 Pferden, die sich ängstlich gebärden, in die Luft steigen und immer wieder nervös auf wiehern. Den Grund für das Benehmen der Pferde glauben beide zu erkennen, denn das Zaumzeug ist mit Stacheln umgeben und sie stechen und verletzen sich durch die Enge immer wieder selbst.
„Wie Sie sehen, bekommen Sie Besuch. Aber ich will Ihnen beziehungsweise Ihren Eltern noch die Chance geben Sie zu retten. Diese wissen mittlerweile, dass Sie sich in meiner Gewalt befinden und machen alles, um Sie zu finden, doch Sie haben noch immer nicht verstanden, was ich von ihnen eigentlich will, deswegen gebe ich Ihnen jetzt eine kleine Kostprobe, was Ihnen bei Nichterfüllung meiner Wünsche passieren wird.“
Drei der Pferde werden auf die beiden, welche sich nicht von ihrem Platz bewegen können, losgelassen. Sie wiehern, schlagen mit den Hufen aus und treffen  bereits beim ersten Mal Jack so unglücklich, dass er mit einer blutenden Kopfwunde zu Boden sinkt. Panisch schreit Rusty auf, kann aber nicht zu ihm, jedoch kann er noch erkennen, dass sich dessen Brustkorb ganz leicht hebt und senkt.
Als die Pferde wieder in ihrem Verschlag sind, hören sie wieder die Stimme: „So, war das aber nicht geplant, dass Sie sich gleich vom ersten Pferd verletzen lassen. Aber sei es darum, ich werde immer Mal wieder ein paar Pferde durch schicken und wenn Sie Glück haben, werden Sie diese wundervollen, rassigen Geschöpfe überleben.“
So bleibt Rusty und Jack, welcher wieder mit leichten Kopfschmerzen zu sich gekommen ist, nichts anders übrig, als auf die Pferde zu warten und zu hoffen dieses Szenario irgendwie zu überstehen.
Da sie das Zeitgefühl schon lange verlassen hat, können die beiden nicht mehr sagen, wie lange sie nun schon auf ihren Tod warten, doch irgendwann, es können Stunden oder auch Tage gewesen sein, öffnen sich die Tore und alle Pferde strömen auf einmal in den kleinen Raum. Die Pferdeleiber drücken sich durch den Raum, die Stacheln an ihrem Zaumzeug verletzen alles, an dem sie vorbei kommen und so kommt es, wie es kommen muss, eines der Pferde tritt so stark auf Jack ein, dass dies sein Schädel nicht überlebt. Mit gespaltener Schädeldecke sinkt er zu Boden und die übrigen Pferde und Hufe erledigen den Rest.
Das Geräusch, welches dieser Tod nach sich zieht, lässt die Gänsehaut bei Rusty aufziehen und während er noch überlegt, wie schrecklich dieser Tod ist, zertrampelt ein Pferd seine Kniescheiben und seine Unterschenkel. Der gepeinigte Schrei, welcher nun durch die Halle schwingt, scheint nicht von dieser Welt zu sein, aber die Schmerzen bringen ihm auch die erhoffte Bewusstlosigkeit, um alles weitere nicht mehr bewusst miterleben zu müssen.
Als die Pferde nach einer halben Stunde wieder in ihrem Verschlag zusammengefangen werden, macht auch Rusty seinen letzten Atemzug, denn der Blutverlust durch die Verletzung seiner Beine ist für seinen gepeinigten Körper einfach zu viel.

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„Haben wir schon einen Anhaltspunkt, Jonas?“, fragt Haberlund genervt seinen jungen Kollegen, der ihm erst seit zwei Wochen zugeteilt ist. Kaiser, der junge Vorzugsabsolvent, der ihm praktisch ungefragt vor die Nase gesetzt wurde, weil er sich wenn er in ein paar Jahren endlich in Pension geht zu seinem Nachfolger ausbilden soll.
„Nein, Chef. Nicht wirklich. Wir haben diesen Brief, aus dem hervorgeht, dass unser Entführer und vielleicht schon Mörder, Halloween über alles hasst und derjenige will, dass dieses Halloween nicht mehr in unserer Ortschaft gefeiert wird. Wenn wir das nicht schaffen, so wird er immer wieder morden, wenn auch vielleicht nicht gleich.“
„Danke, für die Analyse, aber lesen kann ich selbst auch. Wo sollen wir zu suchen beginnen? Das wäre die Frage.“
„Stimmt, aber vielleicht gibt er die Kinder heraus, wenn die Eltern ihr Haus abschmücken und die Sachen verbrennen, als Zeichen, dass sie mit diesem Brauch nichts mehr gemein haben?“
„Wäre eine Idee. Sagen Sie das den Eltern und dann wieder hinter die Computer, ich will einen Ort, wo ich zu suchen beginnen soll.“
Pflichtschuldig, klemmt sich Kaiser hinter das Telefon und teilt den betroffenen Eltern die Möglichkeit mit, welche ihre Kinder vielleicht wieder zu ihnen bringen könnte. Aber es sind Erwachsene, denen der Brauch ebenfalls zu gut gefällt, um alles zu beseitigen.
Nur Sams Mutter scheint zumindest so weit einverstanden, dass sie alles ab dekoriert und auf dem Dachboden verstaut. Mit den Worten „wenn meinem Sohn, wegen diesem Blödsinn etwas passiert ist, will ich das Ganze nicht mehr sehen“ macht sie sich sofort an die Arbeit.

3.11.2012

Die Gestalten, die ihn an dem Bett festgemacht haben, kommen wieder herein, füttern ihn und geben ihm zu trinken. Dann kippen sie die Liegestatt auf, dass es aussieht, als ob er steht, setzen ihm eine Konstruktion auf, welche ihm die Augen zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet hält und verlassen den Raum.
Wenig später ertönt die Stimme: „Ihre werte Mutter hat zumindest teilweise verstanden, was ich verlangt habe, deshalb will ich Ihnen mitteilen, dass ich Sie vermutlich verschonen werde, aber ich weiß nicht, ob ich Ihr Schicksal teilen möchte, oder doch lieber das der anderen. Aber entscheiden Sie selbst, ich habe Ihnen alle Tode auf Band aufgezeichnet und die werden Sie bis Sie gefunden werden oder ich Sie freilasse, immer und immer wieder miterleben und ansehen. Allerdings habe ich die Videos geschnitten und nur die schönen aussagekräftigen Szenen genommen. Entscheiden Sie dann später, ob Ihr überleben tatsächlich besser ist.“
Mit diesen Worten schaltet sich der Fernseher ein und das Morden beginnt. In allen Einzelheiten und in Nahaufnahme wird immer und immer wieder vorgespielt, wie seine Freunde zu Tode kommen. Immer wieder sieht er, wie sie erfrieren, erdrückt, zerstückelt, zertreten werden und verbluten. In Endlosschleife läuft der Film immer wieder ab, als sich auf einmal die Türe noch einmal öffnet.
Herein tritt eine Gestalt, welche einen Kuhkopf und Klauen an den Füßen hat. Vor ihm steht ein wahr gewordener Albtraum, der der mystischen Figur des Minotaurus entspricht. Leise und betont langsam spricht er zu Sam: „Nun sollen Sie auch sehen, wer Ihnen und Ihren Freunden das alles angetan hat, bringen Sie diese Kunde hinaus in die Welt, sagen Sie jedem, dass Sie im Labyrinth des Minotaurus waren und wieder hinausgefunden haben. Ich werde nicht ruhen, bis jeder verstanden hat, dass Halloween nicht in unserem Kulturkreis passt und so lange werde ich mein Unwesen treiben. Leben Sie wohl und denken Sie immer an mich, denn nur, weil Sie diese Runde überlebt haben, heißt das noch lange nicht, dass Sie auch eine weitere überleben werden. Aber Sie wissen ja jetzt, was Sie tun müssen um eine weitere Begegnung zu verhindern.“
Damit lässt er den nun panisch schreienden Sam alleine in dem Raum zurück und verlässt das Schlachtfeld, welches er angerichtet hat. Die fünf Leichen hat er bereits in einem kleinen Container und jeden sterblichen Überrest in einen Leichensack zusammengefasst, um morgen die Übergabe zu machen. Diese sollte wiederum spektakulär werden, wie alles was er in der letzten Zeit angreift und erledigt. Im Gedanken überlegt er bereits, welche Rolle er Sam zukommen lassen soll, bei der Übergabe.

4.11.2012

„Chef, ich glaube, wir sollen den Wald durchstreifen, vielleicht befindet sich darin irgendeine Möglichkeit, um die Jugendlichen dort festzuhalten.“
„Du könntest recht haben, aber was hat er davon, wenn er die Jugendlichen dort festhält? Was will er überhaupt? Solche Psychopathen gehen mir echt auf die Nerven, aber was tut man nicht alles, um die Bevölkerung zu schützen. Ohne Ergebnisse können wir aber nichts machen, also weiter.“
Als das Telefon klingelt, hebt Jonas gedankenverloren, den Blick auf den Monitor geheftet, ab.
„Kaiser.“
„Sehen Sie mal aus dem Fenster. Ich habe eine kleine Überraschung für Sie und Ihren Kollegen. Das Suchen hat ein Ende. Hoffentlich haben Sie daraus gelernt, sonst geht es nächstes Jahr weiter. Leben Sie wohl und hoffentlich bis nächstes Jahr, Herr Kommissar.“
„Johannes, schnell, irgendwas ist vor unserer Dienststelle. Ich glaube mich hat gerade der Täter angerufen.“
Eilends bewegen sich beide zu dem Fenster und erstarren. Eine nackte Gestalt mit einer Kuhmaske befindet sich in seinem Zuggeschirr für Kühe und zieht einen mittelgroßen Container. Im Nasenring steckt noch immer die Stange, mit dem man ihn vermutlich den ganzen Weg bis hierhin getrieben hat.
„Schnell, ruf die Rettung, vielleicht können wir dem armen Teufel noch helfen“, ruft Haberlund und verlässt das Dienstbüro, um der Gestalt zu helfen. Im Hinausgehen, zieht er noch Einweghandschuhe an, um keine möglichen Beweise zu vernichten.
Er bewegt sich vorsichtig auf die zusammengekauerte Gestalt zu und sagt schließlich: „Ich bin Oberkommissar Haberlund und ich will dir helfen. Erschrick nicht, ich nimm dir jetzt den Stab aus der Nase ab und dann die Maske. Ruhig bleiben, ich will dir nicht noch mehr wehtun, okay.“
Stoisch bleibt die Gestalt knien und Haberlund bemerkt, dass die Knie offen, wund und voller Schmutz sind. Als er den Stab entfernt, zuckt sie zusammen und Haberlund erschrickt, als er tatsächlich einen Jungen unter der Maske entdeckt. Da die Rettung bereits nahe ist, beschließt er nichts mehr zu machen, und die weiteren Schritte den Profis zu überlassen, aber eines fragt er noch: „Junge, wer bist du, wie heißt du und wer hat dir in Dreiteufelsnamen, das angetan.“
Schreiend und jammernd beginnt der Junge zu erzählen: „Minotaurus hat mich gezwungen das alles zu tun, hier meine Freunde zu bringen und eine Nachricht zu übermitteln. Er hat schreckliches gemacht, aber er hat gute Gründe. Minotaurus ist mein Held, er löscht alles Schlechte von der Welt und ich werde helfen es hinauszutragen in die Welt. Er hat recht mit seiner Annahme, er hatte seine Gründe.“
„Junge, was sprichst du denn da, der hat euch festgehalten und wer was angestellt mit euch und du verteidigst ihn?“
„Er ist mein Gott, der einzig wahre.“
„Oh, mein Gott, der hat eine Gehirnwäsche bekommen, Herr Doktor, sie können übernehmen, vielleicht bringen Sie noch etwas brauchbares heraus aus ihm.“
Nickend tritt Doktor Schnell an seine Seite und spritzt dem völlig aufgebrachten Jungen ein Beruhigungsmittel, welches relativ schnell wirkt. Dann geben sie ihn auf die Rollliege und schieben ihn zum Krankenwagen. Doktor Schnell sagt noch in Richtung Haberlunds: „Wir bringen ihn ins UKH Kleinreith und dann schauen wir mal, ob wir noch etwas aus ihm herausbekommen.“
„Ja, bitte und informieren Sie mich, wenn er wieder sinnvolles von sich gibt und vielleicht sogar eine Täterbeschreibung abgeben kann.“
Kaiser, der mittlerweile den Container geöffnet hat, ächzt auf und sagt: „Wir brauchen Ben Koch und Sepp Fröhlich, ich habe die restlichen Jugendlichen gefunden.“
Entsetzt blicken Haberlund, die umstehenden Sanitäter und Notarzt Doktor Schnell in den Container in dem sie fünf Leichensäcke erkennen können.
Die im Hauseingang stehende Gestalt bemerken sie nicht, aber diese wendet sich nun fröhlich grinsend und pfeifend ab, denn alles hat so funktioniert, wie er es sich vorgestellt hat. Sogar noch besser, als er zu träumen gewagt hat, denn Sam hat er mit seinem Auftritt und den Videos, die er auch der Polizei als kleines Geschenk zukommen ließ, dermaßen physisch und psychisch zerstört, dass nie mehr wieder eine Gefahr von diesem Jungen ausgehen wird.
Da kann man nur hoffen, dass die Einwohner der kleinen Stadt aus diesem Vorfall gelernt haben und es nicht zu weiteren Vorfällen dieser Art kommt.

#halloweenwoche17